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„Beyond Graffiti – Neue Bilder“ in Heilbronn

, by Katia Hermann

Interview mit Leo Volland, Ko-Kurator, Künstler, Grafiker und Mitgründer von Viagrafik


Hallo Leo! Ihr habt als Team in Heilbronn eine Gruppenausstellung mit dem Titel Beyond Graffiti organisiert und in diesem Rahmen auch fünf große und zwei kleinere Wandmalereien in der Stadt Heilbronn umsetzen können. Kannst Du uns erzählen, wann das Projekt konzipiert wurde, wer im Team ist und wie dieses Projekt zustande kam?

Die Anfrage von Natalis Lorenz, ob ich eine Schau mit dem Titel „Beyond Graffiti“ kuratieren möchte, kam im Frühjahr 2024. Natalis ist freischaffender Illustrator, Künstler und Kulturmanager und gleichzeitig auch erster Vorstand des Künstlerhauses Heilbronn e. V., das im Kunst- und KulturWerkHaus Zigarre verortet und seit langer Zeit eine etablierte Kultureinrichtung in Heilbronn ist. Natalis bildet zusammen mit Richard Rau, einem Heilbronner Writer, der sich mit seiner Erfahrung unter anderem in Fundingkonzeption, Sponsorensuche und Mural-Logistik mit eingebracht hat, das Orga-Team vor Ort. CREAM aus Potsdam/Berlin hat uns hauptsächlich als Ko-Kurator und Ideengeber für Vermittlungsangebote unterstützt. Ich war zu weiten Teilen für die Zusammenstellung der Künstler:innen, die Künstlerkommunikation, die Erstellung der Künstlertexte und die visuelle Kommunikation von „Beyond Graffiti“ verantwortlich. Und vor Ort haben uns natürlich in der heißen Phase am Schluss etliche weitere Praktikant:innen und Helfer:innen tatkräftig bei der Umsetzung unterstützt.

Das Projekt war ursprünglich als reine Ausstellung in den vereinseigenen Räumen geplant. Da wir aber so tolle Artists im Programm hatten, wollten wir es zumindest probieren, auch ein bis zwei Murals finanziert und organisiert zu bekommen. Dass es schlussendlich sieben Murals werden würden, die wir umsetzen konnten, PLUS noch diese vielen tollen von EVOL gestalteten Stromkästen, damit hatten wir so anfangs keinesfalls gerechnet!


Was bietet der Ausstellungsort – der Sheddachsaal der Zigarre – denn sonst für Programm?
Seit wann existiert dieser Ort, und wie groß sind die Räumlichkeiten?

Das Künstlerhaus Heilbronn ist seit 1988 ein Zusammenschluss bildender Künstler:innen aus dem Heilbronner Raum. Seit 2000 ist der Verein in der alten Zigarrenfabrik beheimatet, in der Künstler:innen zu bezahlbaren Mieten Ateliers belegen können, wo es Werkstätten gibt, Proberäume, einen großen Ausstellungsraum mit ca. 300 qm und einen weiteren kleinen und wo noch einige weitere kulturelle Projekte Unterschlupf finden. Die Zigarre ist aber auch Veranstaltungsort mit eigener Kneipe: Dort finden regelmäßig Konzerte, Tanzveranstaltungen und Lesungen statt.



Ihr präsentiert Werke von 15 Künstler*innen aus der Post-Graffiti-Strömung. Kannst Du uns Euer Konzept bzgl der Auswahl der 15 Künstler*innen schildern und was genau versteht ihr unter der Post-Graffiti-Strömung? Es sind ja sehr unterschiedliche Stilrichtungen vertreten…

Der Begriff des Post-Graffiti trifft in der Beschreibung nicht auf alle Teilnehmer:innen zu. Dieser Begriff wurde nur in der Kommunikation hinzugenommen, um einen Teil der Künstler*innen griffig beschreiben zu können. Maßstab war bei der Kuration eher das „Beyond“. Viele der Künstler*innen haben sich im Laufe der Jahre über das Malen von traditionellem Graffiti hinaus entwickelt. Mit Emmett Edelstein gibt es im Programm aber z.B. auch einen Fotografen, der illegales Graffiti dokumentiert. Es gibt Gizem Erdem, die ausgebildete Illustratorin ist und die Sprühdose erst später für sich entdeckt hat und nur manchmal als Werkzeug hinzunimmt. Ihre Formensprache, Farbgebung und besonders auch ihre Motivideen erweitern meiner Ansicht nach auf sehr erfrischende Weise das existierende Spektrum im Character-Design und in der Mural-Gestaltung. Es gibt Studio Vierkant, die einerseits selbst Künstler sind und gleichzeitig eine Agentur, die unter anderem Mural-Festivals und Ausstellungen aus Eigeninitiative oder für Kommunen konzipieren und organisieren. Der Künstler EVOL, der wie ich in Heilbronn groß geworden ist, hat zwar anfangs einige Jahre figürlich mit Sprühdose gearbeitet, sich aber von Beginn an wenig am traditionellen Graffiti orientiert und später seine genialen Stencil-Konzepte entwickelt, für die er natürlich immer noch auf Sprühdosen als Werkzeug angewiesen ist. Oder es gibt auch Benjakon, der nicht im Graffitimilieu zu verorten ist, aber durch seinen Blickwinkel und seine Haltung immer wieder Aspekte in seinen Fotografien stattfinden lässt, die meiner Ansicht nach sehr gut mit einer Sprüher-Mentalität korrelieren können. So arbeitet die Schau selbst daran, den Begriff „beyond“ in Bezug auf Graffiti weiter auszudehnen…


Wieviel Arbeiten sind dort insgesamt zu sehen? Worauf wurde besonders geachtet bei der Hängung?

Ich habe sie nicht gezählt. Der Raum bringt durch seine Architektur eine gegebene Aufteilung der Wände in Segmente mit sich, sodass sich die Anzahl der gezeigten Positionen mehr oder weniger dadurch ergeben hat. Da auch klar war, dass der Anteil an szenemäßig vorgeprägten Menschen, die die Ausstellung besuchen würden, recht klein sein würde, wollte ich die Ausstellung von Beginn an so konzipieren, dass es genügend Anknüpfpunkte auch für Neulinge in der Kunst geben würde, ohne dabei das Niveau der gezeigten Arbeiten künstlich einzudampfen. Das brachte mich auf die Idee, in jedem Abschnitt einerseits dokumentarische Fotos von Arbeiten draußen mit einer oder mehreren Original-Arbeiten zu kombinieren. Mir war es wichtig, der Heilbronner Öffentlichkeit, die zu großen Teilen recht unvorbereitet auf diese Ausstellung treffen würde, auf diese Art einerseits eine große Bandbreite an Arbeiten und Stilen zu präsentieren und gleichzeitig auch zu ermöglichen nachzuvollziehen, wie die Arbeiten draußen mit den Arbeiten aus dem Studio zusammenhängen. Abgesehen davon sind natürlich Wandarbeiten aufgrund ihrer Größe und ihres Umraums, in dem sie entstehen, auch für Außenstehende häufig besonders beeindruckend. Auf der anderen Seite sind auch die Originale sehr wichtig, da sie viel besser sinnliche Aspekte von Kunst transportieren können als dokumentierende Fotos. Ich finde die Kombination funktioniert sehr gut in unserer Ausstellung.

Die Fotografen in der Ausstellung zeigen allerdings natürlich keine Atelierarbeiten, sondern nur Fotos. Und für manche Abschnitte wiederum hat es sich im Verlauf der Konzeption ergeben, dass wir hier nur Originale zeigen – auch weil es z.B. für EVOL und Blazej Rusin dann tatsächlich die Möglichkeit gab, im städtischen Raum vor Ort eine Wand bzw. Stromkästen zu gestalten, sodass es weniger nötig war, solche Arbeiten auch als Foto in der Ausstellung zu zeigen.



Die einzelnen Abschnitte sollten nicht nur durch die räumlichen Gegebenheiten voneinander getrennt sein, sondern sich auch in der Abfolge inhaltlich und visuell klar voneinander absetzen, so dass die Besucher eine gute Chance haben, die große Vielfalt und Dichte an Arbeiten im Raum sortieren und einordnen zu können.


Sind die Werke dort auch zum Verkauf? Wenn ja in welchem Preissegment?

Wir haben den Verkauf von Arbeiten nicht sonderlich forciert oder betont, es war also sicher keine ausgemachte Verkaufsshow – auch nicht in der Kommunikation. Trotzdem wurden eine Handvoll Arbeiten verkauft in der Preisrange von 300 – 4000 Euro. Die teuerste Arbeit in der Ausstellung ist mit 12.000 Euro beziffert. Das Künstlerhaus ist im Fall eines Verkaufs am Preis beteiligt.



Es haben 7 Künstler*innen auch Wandmalereien, fünf große Murals, zwei kleine Wandmalereien, im Stadtraum in Heilbronn umsetzen können. Nach welchen Kriterien habt ihr diese ausgesucht, wie schwer war es Wände zu finden und auch die Besitzer zu überzeugen?

Fünf der Wände sind städtisch. Da die verantwortlichen Personen bei der Stadt schon ein Bewusstsein für den aktuellen Trend „Mural-Gestaltung“ hatten, war hier recht schnell die Bereitschaft gegeben, unser Projekt in Form einer Art „Testlauf“ zu unterstützen. Die Entwürfe mussten wir uns hier freigeben lassen, was im Fall einer Wand ein bisschen kniffelig war für uns, aber schlussendlich trotzdem zu einem tollen Ergebnis geführt hat. Andere Wände gehören Privatpersonen, wo die Abstimmungsprozesse individuell unterschiedlich, aber letztlich zum Glück nicht über die Maßen kompliziert waren. Eine Abstimmung über Entwürfe gab es aber auch hier. Ein ganz besonderer Fall war natürlich die Kollabo mit den Städtischen Museen, in deren Tordurchgang Blazej Rusin eine Malerei umsetzen durfte. Auch hier gab es eine Konzeptionsphase, in der der Museumsleitung das Konzept vermittelt wurde. Letztlich konnten wir natürlich auch immer auf die hohe Qualität der eingeladenen Artists bauen, die schnell in der Lage waren, überzeugende Entwürfe einzubringen.

An der Stelle möchte ich noch einmal darüber sprechen, dass wir anfangs nicht vorhatten, ein Mural-Festival auf die Beine zu stellen und dementsprechend die Artists auch nicht nach solchen Kriterien zusammengestellt hatten. Wir sind mit den Artists, die wir bereits für die Ausstellung im Programm hatten, und die auch bereits zugesagt hatten, auf die Zuständigen zugegangen und haben geschaut, ob wir genau mit diesen Künstler*innen Murals umgesetzt bekommen. Da dies so gut geklappt hat, ist die Außenwahrnehmung etwas in Richtung Mural-Festival gekippt, da diese natürlich noch mal stärker auf das gesamte Stadtbild einwirken.


Wie lange hat denn die Suche gebraucht?

Ca. 1 – 1,5 Jahre.


Wann konntet ihr anfangen und wie lange haben diese Produktionen insgesamt gedauert und gab es bestimmte Herausforderungen?

Mit der Planung der Murals haben wir ca. ein Jahr vor der Veranstaltung begonnen, als wir wussten, welche Wände uns zur Verfügung stehen würden bzw. uns bei erfolgreicher Entwurfsabstimmung zur Verfügung stehen könnten. Die einzelnen Murals selber wurden in Zeiträumen zwischen 3 und 7 Tagen umgesetzt. Hierbei haben wir geschaut, dass wir uns als sehr kleines Team nicht überfordern und haben daher die Murals teils zeitversetzt im Rahmen der letzten vier Wochen vor Ausstellungseröffnung umgesetzt, sodass wir jeweils genügend Manpower hatten, uns um die Orga vor Ort ausreichend zu kümmern. Das gesamte Orga-Team hat hierzu auch rechtzeitig noch Führerscheine für die Bedienung von Hebebühnen gemacht – was tatsächlich auch noch mal einen ordentlichen Kostenposten verursacht hat. Außerdem wurden wir auch an entscheidenden Stellen von Fachfirmen mit Beratung und Materialien unterstützt und konnten uns auch von Studio Vierkant, die durch das PFFFestival bereits sehr viel Erfahrung mit der Umsetzung von Murals haben, wichtige Tipps geben lassen.



Wie konntet ihr die Finanzierung für dieses Projekt stemmen?

Natalis hat viele Anträge geschrieben und Projektvorstellungstermine wahrgenommen. Wir haben sicherlich ein Stück weit auch davon profitiert, dass die Themen „Urban Art“ und „Murals“ auch bei den Verantwortlichen der kleinen Großstadt Heilbronn natürlich bereits angekommen waren, aber in der Form noch nicht bearbeitet wurden. Somit sind wir auf Seiten der Stadt und bei der Kreissparkasse auf offene Ohren gestoßen und beide haben uns recht schnell mit passenden Förderbeträgen unterstützt. Hinzu kamen etliche weitere Förderprogramme, Unterstützer:innen und Partner:innen, die begeistert mit eingestiegen sind, um ein für Heilbronn so neuartiges und besonderes Projekt zu unterstützen. Durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ wurden z.B. zwei unserer Teilprojekte gefördert. Und sicher war auch die Tatsache, dass Natalis ein gutes Netzwerk pflegt und einen sehr etablierten Heilbronner Kulturverein im Rücken hatte, nicht abträglich bei der Akquise – man hat uns das Projekt offenbar auch einfach zugetraut.


Gab es eine gute Resonanz der Heilbronner? Wie waren die Reaktionen im Stadtraum?

Die Kulturbürgermeisterin der Stadt hat zur Eröffnung eine Rede gehalten und die Ausstellung war wirklich gut besucht und deutlich mehr als viele andere Ausstellungen an diesem Ort in der Vergangenheit. Auch die Verknüpfung mit der „Langen Nacht der Kultur“ hat sich für uns super bewährt – speziell an diesem Abend war die Ausstellung ebenfalls sehr gut besucht. Zu vielen positiven Stimmen gesellen sich wie immer auch einige kritische Stimmen, bezogen auf spezielle Aspekte, die wir ernst nehmen und versuchen richtig einzuordnen.


Als Rahmenprogramm gab es auch Workshops. Für wen und wie liefen diese denn ab?

Es gab einmal Workshops zur Erarbeitung eines Gedenk-Murals für die Opfer der NSU-Morde. Einer dieser Morde wurde in Heilbronn an einer Polizeibeamtin begangen, genau an dem Ort, wo nun auch das Mural umgesetzt wurde. Natalis hatte Heilbronner Schüler:innen dazu eingeladen, sich gemeinsam mit dem Thema auseinanderzusetzen und Ideen für das Mural zu generieren. Die Ideen hat er dann zu einem schlüssigen Gestaltungskonzept eingegossen und es mit jungen Helfer*innen umgesetzt. Der Oberbürgermeister von Heilbronn wird das Mural in der kommenden Woche noch offiziell eröffnen.

Außerdem gab es einige klassische Graffiti-Workshops zu verschiedenen Terminen, wo wir dazu eingeladen haben, in die Basics von Graffiti reinzuschnuppern und probeweise die Dosen zu schwingen. Graffiti ist im Prinzip ja auch als Phänomen undenkbar ohne die vielen Ausprobierversuche junger Menschen – besonders im öffentlichen Raum, wo sie mitunter auch viel Ärger verursachen. Aber, ich sag es mal so: ohne erste Versuche gibt es auch kein späteres „beyond“…


Zusätzlich habt ihr Talks und Live-Podcasts organisiert. Wie war die Resonanz, und was war der interessanteste Teil deiner Meinung nach, nun im Nachhinein?

Grundsätzlich war es uns von Anfang an wichtig, auch Vermittlungsangebote zu schaffen, bzw. Stellen zu kreieren, die Kommunikation ermöglichen. Zum einen sehen wir die Aufgabe von Kunst und Kultur darin, die Menschen hinter ihren Displays hervorzuholen und zum anderen ist unsere Materie, mit der wir uns so intensiv beschäftigen, sicher gehaltvoll genug, um Außenstehenden Punkte zu bieten, an die sie ebenfalls andocken können. Bei den Talks selber war die Resonanz vor Ort doch ein bisschen dünn, was aber für uns nicht bedeutet, dass wir sie uns hätten sparen können, da wir wissen, dass zumindest alle Beteiligten wertvolle Erfahrungen daraus gezogen haben.

Meine persönlichen Highlights im Projekt waren zum Einen die Kollabo mit dem Museum, weil dieses spezielle Setting es uns ermöglicht hat, die etwas anspruchsvollere oder gewagtere Malerei von Blazej Rusin im städtischen Raum zu platzieren. Und zum Anderen das Aufeinandertreffen der eingeladenen Künstler:innen selbst. Dieses war so nicht planbar und daher umso toller zu sehen, wie die Leute sich kennengelernt, aufeinander reagiert und auf welchem Level Gespräche möglich waren. Diese beiden Aspekte haben mich neben vielen weiteren wirklich sehr bewegt und nachhaltig motiviert.


Wurde der Podcast aufgenommen und kann man ihn sich anhören?

Vielen Dank an dieser Stelle an CROW und KGEE von „Walls don’t lie“ für die Kooperation bei diesem Vermittlungsangebot! Das aufbereitete Gespräch kann man sich bald auf https://wdl.rocks/ anhören. 



Du kommst ja aus Heilbronn, lebst aber schon lange in Berlin. Wie hat sich denn Heilbronn so entwickelt in 30 Jahren?

Die Stadt hat sich sehr verändert, seit ich Mitte der 90er dort weggezogen bin. Damals gab es einen großen Einkaufsmarkt „Handelshof“ im Industriegebiet zwischen HN und Neckarsulm.. dort sind viele hingefahren zum Einkaufen, weil es dort ein paar Groschen billiger war. Heute ist der Ladeninhaber der reichste Mensch Deutschlands, Dieter Schwarz, Gründer und Architekt von Lidl und der gesamten Schwarzgruppe. Er hat stark dazu beigetragen, dass Heilbronn mittlerweile zur Boomtown wurde. Vor etlichen Jahren schon wurde er vom Spiegel als „Kaiser von Heilbronn“ bezeichnet. Er hat dort eine Wirtschaftsuniversität und einen Bildungscampus hochgezogen, ein riesiges Wissensmuseum bauen lassen, den Bau eines internationalen KI-Parks initiiert und so weiter.. bald bekommt Heilbronn eine urbane Seilbahn, die die Innenstadt mit dem KI-Zentrum verbinden soll. Er entwickelt also die Stadt einerseits massiv weiter, schafft Arbeitsplätze, andererseits gibt es aber natürlich auch Aspekte, für die er sich wenig interessiert.. wie z.b. Kunst und Kultur. Die Stadt hat sich baulich verändert – eine Stadtbahn, die durch die Stadt rollt und durchaus auch gebombt wird, gibt es inzwischen sogar auch. Die Szene- und Feierkultur, die in den 90ern wirklich stark ausgeprägt war, ist deutlich kleiner geworden.. ich freue mich aber jedes Mal über Zeichen aus dieser Richtung.. seien es DJ Kollektive, eine alternative Bar oder eben junge Sprüh-Peoples, die einen angenehmen Vibe haben und coole Dinge auf die Beine stellen.


Hast Du dort schon einmal ein Projekt organisiert?

Ich habe, seit ich nicht mehr dort wohne, etliche Ausstellungen, Wandbilder und auch Auftragsarbeiten als Grafikdesigner in Heilbronn gemacht, hatte aber selbst noch nicht mit organisiert. Natalis hat über Jahre meinen Werdegang offenbar aufmerksam mitverfolgt und nun zu einem stimmigen Zeitpunkt meine Skills gewittert und angefragt. Dafür bin ich ihm super dankbar, denn das Projekt hat mir auch eine tolle persönliche Weiterentwicklung ermöglicht! Der temporäre Rollenwechsel zum Kurator hat mich in meiner Entwicklung sehr bereichert und meinen persönlichen Begriff des „beyond“ noch ein ganzes Stück weiter ausgedehnt!


Wie war es für Dich in 2026 so ein umfangreiches Projekt umzusetzen? Hat sich Deine Sichtweise dadurch auf Heilbronn verändert?

Für mich ist es natürlich unbestritten total toll, dass in Heilbronn Stadt meine Talente auf diese Weise gefragt sind. Ich fühle mich mit Heilbronn seit jeher verbunden – besonders deshalb, weil ich dort eine tolle, abwechslungsreiche und sehr freie Jugendzeit erleben durfte und meine Arbeiten dort auch immer auf Resonanz gestoßen sind. Das Szeneleben dort in den 90ern hat dazu auf jeden Fall einen großen Anteil beigetragen und bei mir einen Nährboden gebildet, von dem ich bis heute zehre.



Glaubst Du, Euer Projekt hat etwas in Heilbronn und bei den Bürger*innen und Besucher*innen bewirkt?

Ich meine einen Vibe zu spüren, dass sich viele Menschen in Heilbronn darüber freuen, dass Murals und im weitesten Sinne auch „Urban Art“, die über klassische Graffitiwände hinaus gehen, nun auch dort ein stattfindendes Thema sind.


Würdest Du gerne dort nochmal ein Projekt umsetzen wollen? Gibt es schon Pläne?

Wollen definitiv, konkrete Pläne aber heute noch nicht. Was zunächst ansteht, ist sicher erst auch erst mal eine Reflexion und Auswertung der ganzen Erfahrungen der vergangenen Wochen und Monate in der Gruppe. Dann werden wir weitersehen.


Vielen Dank für Deine Zeit Leo!


instagram.com/beyondgraffiti.hn


Scheddachsaal im Künstlerhaus Heilbronn in der Zigarre
Achtungstr. 37
74072 Heilbronn

19.09.-18.10.2026

Katia Hermann
French-German art historian, curator and writer. After her studies of art history and cultural management in Paris, Katia moved to Berlin in 2001. For twenty years, she has worked as a freelance exhibition-maker/curator, cultural manager, writer and translator. After working for documentary film- and exhibition productions, she curated thematic exhibitions of modern & contemporary art and photography for institutions, project spaces and galleries. She always endeavors to promote artists with contemporary relevant topics, new visual languages, and tries to mediate to a wide public. After her research grant for fine arts with the topic Urban Art Berlin (Berliner Senate Department of Culture and Europe) in 2017, she initiated and coordinated the Urban Art Week in Berlin in 2018 and 2019. The photo exhibition BERLIN: WRITING GRAFFITI started 2019 to tour to Brussels with a publication. Beside her curatorial practice, Katia gives art tours and writes about urban art, contemporary art, and in particular about post-graffiti painters for magazines and blogs.

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