hendrik beikirch – “treasures”-ausstellung, galerie droste wuppertal

Hendrik Beikirch, 1974 in Kassel geboren und 1989 erstmals in der Graffiti Szene unter dem Alias ecb aktiv, ist bekannt für seine teils haushohen Portraits in schwarz und weiß. Die Eindringlichkeit, mit der die Gesichter dieser fremden Menschen ein Gefühl von Vertrautheit erwecken, lässt sich an Orten auf der ganzen Welt erleben. Beikirch nimmt diese Studien der Menschlichkeit auf seine Reisen mit und bettet sie als Spuren personifizierten Lebens in neue Kontexte ein. Gezeichnet vom Leben haben die monochromen Gesichter die Glätte der Jugend längst hinter sich gelassen und erlauben mit der Tiefe ihres zerfurchten Angesichts einen Einblick in deren Geschichte. Dieses hohe Maß an Intimität scheint zunächst im Widerspruch zu der großflächigen Wiedergabe auf Lein- und vor allem Hauswänden zu stehen, führt aber getrieben von unserer Sehnsucht nach Anknüpfungspunkten in immer anonymer werdenden Stadtkulissen zu stimmigen Symbiosen.

Das in der Ausstellung präsentierte Projekt Beikirchs ist Ergebnis von Begegnungen, die der Künstler in den entlegenen Weiten Sibiriens machte. Als Ausgangspunkt für die Geschichte derer, die uns trotz ihrer Farblosigkeit mit menschlicher Wärme entgegenblicken, galt hier jeweils die Frage nach dem persönlichen Schatz. Auch wenn die installativ mit den Leinwandarbeiten kombinierten Objektrahmungen Gegenstände enthalten, sind diese vielmehr als Platzhalter für immaterielle Schätze zu verstehen, die eine wichtige Rolle im Leben der Portraitierten einnehmen.

Anders als bisher gehen einige der neuen Arbeiten über das reine Portrait hinaus und zeigen ganze Kulissen, die einerseits das erzählerische Element unterstreichen, gleichzeitig aber auch an die historischen Vorbilder des Sowjetischen Realismus erinnern. Wurde dort die Arbeiterklasse überhöht in ländlicher Umgebung wiedergegeben, so bereinigt sie Beikirch in seinen Werken von allem Übertriebenen und schafft einen ästhetischen Ausgleich, der ebenso der zeitgenössischen Bilderflut einen Kontrapunkt setzt. Die szenischen Ergänzungen bergen noch weitere Reize: Nicht nur inhaltlich, sondern vor allem malerisch bietet sich hier ein Feld, auf dem mit Texturen gespielt werden kann. Das gilt für die umgebende Natur wie für Gesten und Struktur der Hände.

Verglichen mit dem vergangenen Projekt in Marokko war die Arbeit in Sibirien eine größere Herausforderung für Beikirch. Neben den schieren Distanzen galt es vor allem die melancholische Zurückgezogenheit der Russischen Seele zu überwinden, Zugang zu finden zu der dennoch warmen Gastfreundschaft. Diese Mentalität wiederzugeben war Ziel der Reise an diesen magischen Ort, dessen Erreichen mit Mühsal verbunden war und mit einer besonderen kulturellen Mischung aus Europa und Asien belohnt wurde, die in den Gesichtern der Sibirer verschmilzt. Mit dem Bewusstsein, dass ein Land weniger durch seine Sehenswürdigkeiten als von seinen Bewohnern geprägt wird, vermittelt uns Beikirch als Offenbarer einzelner, durch Personen verkörperter Geschichten die Essenz seiner Erfahrungen in dieser sich weit erstreckenden Region.

Für mehr Informationen: http://hendrikbeikirch.com/

Text von Galerie Droste

Die Ausstellung startet mit einer Vernissage in Anwesenheit des Künstlers am 18.März 2017 um 18 Uhr und kann bis zum 7.Mai 2017 in der Katernbergerstr. 100, 42115 Wuppertal, besichtigt werden.

Die Öffnungszeiten sind: 

Dienstags bis Freitags 10 – 16 Uhr, Samstags 12 – 16 Uhr

Hendrik Beikirch - Vera - 2016, Mannheim - Germany
Hendrik Beikirch – Vera – 2016, Mannheim – Germany
Hendrik Beikirch -Studio - Photocredit: Nils Mueller
Hendrik Beikirch -Studio – Photocredit: Nils Mueller

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