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Stohead & Mina Mania – Interview zur theWALL+ Mural-Gestaltung

, by Zonenkinder Collective

Wie seid ihr zur Kunst / Urban Art gekommen?

Die Kunst kam zu uns.


Was bedeutet „Style“ für euch und wie würdet ihr euren eigenen Stil beschreiben?

Style hat man, oder hat man nicht. Für uns heißt Style: Balance, Gefühl, Individualität & Flow. Mina’s Stil ist eine Fusion aus klassischen Graffiti Elementen und Aspekten der Moderne. Stohead beschreibt seinen Stil als zeitgenössischen Handstyle und geschriebene Abstraktion.



Welche Ziele oder Träume habt ihr für eure Zukunft als Künstler*in? Und welche habt ihr bereits erreicht?

Wir denken, der Weg ist auch in diesem Fall das Ziel. Ein Traum hat sich aber bereits für uns beide erfüllt, nämlich von der freien Kunst leben zu können.


Ihr arbeitet gemeinsam an verschiedenen Muralprojekten: Wann habt ihr euch eigentlich kennengelernt, und seit wann arbeitet ihr zusammen? Wie plant und realisiert ihr solche Projekte als Duo – vor allem mit so unterschiedlichen Stilen? Wie bringt ihr eure Handschriften zusammen, ohne dass einer den anderen überschreibt?

Unsere Wege kreuzten sich um 2018 in Berlin. Der künstlerische Austausch war von Anfang sehr inspirierend und wir haben festgestellt, dass sich unsere Stile sehr gut kombinieren lassen. Wir arbeiten gerne mit Transparenzen, sodass die jeweilige Dynamik erhalten bleibt und eine spannungsgeladenen Komplexität entsteht. Durch die Überschneidungen gewinnt das Werk an Kraft und Tiefe.


Was möchtet ihr mit dem aktuellen Werk hier auf the WALL+ ausdrücken und inwiefern beeinflusst euch in dem Werk die Location, insbesondere die Besonderheiten im Gängeviertel Hamburg?

Wir wollten damit unsere Offenheit gegenüber dem Unbekannten ausdrücken. Kosmische Elemente finden sich immer wieder in unseren Werken. Die Alienettes in Verbindung mit unserer Quote „we are here“ und unserem Crewnamen „Unwanted Visitors“ könnten symbolisch für eine Minderheit stehen, die nach Toleranz und Akzeptanz sucht.



Ihr arbeitet beide im öffentlichen Raum und im musealen Kontext/White Cube der Galerien. Was bedeutet euch dieser Wechsel – und wie verändern sich eure Herangehensweisen je nach Raum und Kontext?

Das Atelier bietet experimentelle Möglichkeiten, die im Kontext mit der Arbeit im öffentlichen Raum zu neuen Stilformen und Techniken führen können.


An Stohead: Deine Wurzeln liegen im Graffiti, du bist seit Ende der 1980er-Jahre aktiv. In deinen Arbeiten bilden deine markante Handschrift und Kalligrafie bis heute die zentralen Elemente – flankiert von einem durch Leichtigkeit, Dynamik und Eleganz beschreibbaren Spiel mit kräftigen Farben und Worten und Quotes. Was inspiriert dich und welche Themen bespielst du subtil in deinen Werken?

Ich habe schon sehr früh begonnen mit Kollegen Ausstellungen zu organisieren. Um die Verknüpfung innerhalb der Szene zu fördern und nicht zuletzt, um uns selbst eine Plattform zu schaffen. Ende der 90er begann die sogenannte Kunstwelt erst gerade wieder, die Graffitikultur und ihre Ableger neu zu entdecken. Wir wollten sozusagen aufzeigen, was die Künstler, die hinter den Graffitiaktionen stecken, sonst noch zu bieten haben. Anfang der 00er Jahre haben diese Ausstellungen den Begriff URBAN ART entscheidend mitgeprägt.

Die Auswahl der Worte und Zitate hat oft sozialkritische Inhalte. Da Musik und Sammelleidenschaft schon immer einen großen Platz in meinem Leben haben, nutze ich meinen Fundus für textliche Exzerpte. Diese haben oft einen ernsten Hintergrund, können aber auch poetisch und manchmal unterhaltsam sein. Dabei limitiere ich mich selbst, indem ich nach Quotes suche, die sich mathematisch ordnen lassen, indem sie beispielsweise ein Quadrat bilden.


An Mina: In deinen Arbeiten spielt die ikonische Frauenfigur Nana eine große Rolle. Sie steht für Selbstbestimmung, Selbstvertrauen, Offenheit, Mut, Freiheit, Stärke, Lebensfreude und Vitalität. Wie und wann ist dir Nana zum ersten Mal begegnet und wie hat es sich entwickelt, dass sie heute die Hauptrolle in deinen Werken spielt?

Nana wird diesen Sommer 10 Jahre alt. Sie ist mir damals einfach aus der Feder geflossen: ihre kraftvollen und dynamischen Linien tragen den Graffiti Spirit in sich. Nana’s Formen sind eine abstrahierte Evolution meiner Buchstaben ins Figürliche und transportieren Flow und Energie, Power und Selbstbewusstsein. Ich habe ganz intuitiv und voller Freude angefangen sie zu malen. Seitdem es Nana gibt entdecke ich immer mehr Tiefgründiges und Sinnhaftes in der Figur. Sie ist zu meiner empowernden Wegbegleiterin geworden, die sowohl das Individuum als auch das Kollektiv repräsentiert. Viele Frauen bedanken sich bei mir, dass Nana ihnen so viel Kraft gibt. Und das wiederum gibt mir Kraft. Unterbewusst hat die Erschaffung dieser Frauenfigur sicher damit zu tun, dass ich meinen Weg gehe in einer sehr männlich geprägten Szene.



Wir freuen uns auf euch und dass ihr Teil des theWALL+ Projects seid!
Wir sind schon sehr gespannt, in der Gruppenausstellung SAME DIFFERENCE im MOM ARTSPACE im Hamburger Gängeviertel ab dem 22. Mai zeigen werdet.


@theminamania
@stohead

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Zonenkinder Collective
The artist duo CAROLÏN LØVE & PHILIPP are the founders of the ZONENKINDER collective. Since 2003, they have developed an individual style rooted in urban art, figurative graffiti and nature-based storytelling. Influenced by hip-hop graffiti, punk, anime, pop art and the Berlin techno scene as well as academic studies in sociology, anthropology and ethnology, their work combines art, theory and practice, subculture and institution. The Hamburg-based duo create murals, studio works and site-specific installations. Their work explores themes such as the complex relationships between nature, humans and consumer culture and the relationships between humans and animals. Their award-winning Tree Project combines urban art, land art and environmental themes. They recently launched theWALL+, a platform for contemporary mural painting and interdisciplinary cultural engagement in public spaces. Their work has been exhibited internationally, including at MIAM in Sète, the Gogol Festival in Kiev and projects in China. In addition to exhibitions, ZONENKINDER offer workshops, lectures and performances that promote immersive collective experiences, artistic exchange and critical reflection.

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